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Vom Essen

Autor: JohannaBodendie | Datum: 14 November 2014, 03:47 | 12 Kommentare

Wer mich kennt weiß, dass ich in Deutschland Vegetarierin
bin. Hier ist das anders, aber ehrlich gesagt wäre es zu einfach zu sagen, dass
ich als Vegetarier hier nicht überleben würde und deswegen Fleisch esse.
Hauptsächlich wird hier nämlich, wie klischeehaft, Reis gegessen, dazu Fisch oder
Tofu und Gemüse oder eine Art Suppe und Fisch esse ich ja auch in Deutschland.
Mit dem Unterschied, dass ich dort meist das grätenlose Filet genieße und hier
dem Fisch in seine Augen sehen kann oder aufpassen muss, dass ich meine Zunge
nicht an einem Zahn schneide oder an einer Riesengräte ersticke. Wenn es dann
mal Fleisch gibt (eigentlich nicht so oft), wird alles verwendet (von Kopf bis
Fuß hatte ich quasi schon jedes Teil eines Huhns auf meinem Teller), was mein
Gewissen dem Tier gegenüber ein wenig beruhigt.

Wenn kein Reis gegessen wird gibt es, jedenfalls hier in
Papua, Papeda. Das wird aus Sago gemacht, Sago ist ein Baum. Irgendwie wird
dann der Baumstamm pulverisiert und mit Wasser gekocht, es entsteht eine Art Schleim,
Papeda. Das hat wirklich eine sehr gewöhnungsbedürftige Konsistenz und schmeckt
eigentlich nach nichts, ich werde es wohl noch ein paar Mal essen müssen um es
irgendwann zu mögen. Oder eben nicht...

Wenn ich mal Brot esse ist der neue Brotaufstrich meiner
Wahl und Butterersatz Erdnussbutter. Die gibt es hier wirklich überall und sie
wird von allen gegessen, was daran liegen könnte, dass Erdnüsse hier ja direkt
wachsen und andererseits viele Menschen laktoseintolerant sind, was Butter wie
wir sie kennen ja irgendwie disqualifiziert.

Dilarang merokok dan makan pinang di rumah ini.

- Es ist verboten, in diesem Haus zu rauchen oder Pinang zu essen.

Mittlerweile weiß ich auch warum. Pinang ist eine kleine,
bittere Frucht, die hier (auch schon von mir) als Kaugummiersatz gegessen wird.
Sie erfrischt auch tatsächlich, das Problem ist bloß, dass man sie mit einem
weißen Pulver kaut, wodurch roter Saft entsteht, den man aber nicht schlucken
darf. Deswegen spucken sämtliche Menschen literweise roten Pinangsaft fröhlich
in der Gegend umher, weswegen die Häuserecken immer aussehen, als ob dort jemand verblutete wäre...

 

Liebe Grüße, Johanna

 

Memo an mich: Auf die Frage "sudah makan" (Hast du schon gegessen) wird ein "Ja" nicht akzeptiert. Man kann immer nochmal oder wieder essen und nie satt genug sein!

 

Von meinem Tagesablauf

Autor: JohannaBodendie | Datum: 05 November 2014, 03:41 | 0 Kommentare

Der ist noch nicht wirklich routiniert und strukturiert
sondern eher ein bisschen nach dem Motto: „Ich stehe auf und dann gucke ich
mal, was der Tag so bringt…“, aber das ist ja auch nur vorrübergehend für die
nächste oder die nächsten zwei Wochen.

Erst mal ist es vielleicht gut zu wissen, dass ich wieder umgezogen bin zu
einer Papuafamilie, weil Ate Joy der Meinung war, dass ich, wenn ich bei ihr
wohnen bleibe, am Ende die philippinische Kultur besser kennen würde als die
Indonesische und außerdem keine Chance hätte, Indonesisch zu lernen. Da hat sie
schon Recht mit, deswegen wohne ich jetzt seit Sonntag bei der Familie von
Referent Joyce, die aus ihr, ihrem Mann Bapak Rudi, ihrer Tochter Hanna, Bapak
Rudis zwei Schwestern Mey und Ike und einer Frau mit Baby, deren Verbindung zur
Familie ich noch nicht verstanden habe, besteht. Zu meinem Glück sprechen Referent Joyce und
Hanna ein bisschen Englisch (und möchten es auch gerne sprechen, wenn sie schon
mal die Möglichkeit haben), deswegen bin ich noch nicht komplett auf meine
bisher noch sehr mickrigen Indonesischkenntnisse angewiesen.

Also wieder zu meinem Tag: Mein Wecker klingelt morgens um
5:30, aber eigentlich nur, damit ich nicht direkt aus dem Bett springen muss,
sondern noch eine halbe Stunde liegen bleiben kann. Früh aufzustehen scheint
mir nämlich an jedem Ort der Welt gleich schwer zu fallen, auch wenn es hier
morgens um sechs hell (dafür ist es aber auch abends um sechs wieder dunkel)
und teilweise sehr warm ist. Frühstücken tue ich dann (bisher) alleine,
irgendwie sind nämlich alle anderen verschwunden, wenn ich mein Zimmer
verlasse. Und dann warte ich. Manchmal bis viertel vor Sieben, manchmal bis
halb acht, bis ich abgeholt werde, um zur Grundschule zu fahren, in der ich
Englisch unterrichte (jedenfalls mehr oder weniger). Die Schule hier fängt um
sieben an und ich soll eigentlich (noch) nicht alleine öffentliche
Verkehrsmittel nutzen, weswegen ich auf meine Begleitung warten muss. Außerdem
kann ich den Kindern schlecht etwas beibringen, wenn ich kein indonesisch
verstehe und sie kein Englisch, weswegen ich immer einen Dolmetscher brauche,
die Lehrer aber auch kein Englisch sprechen und die Englischlehrerin letzte
Woche verschollen war. Auch deswegen also die Begleitung, für die ich doch sehr
sehr froh war, als ich plötzlich alleine mit einem Stift in der Hand vor 40
oder 50 Kindern stand, die jetzt von mir erwarteten, ihnen etwas beizubringen.
Ich habe wirklich das Gefühl, dass ganz wild darauf sind, etwas zu lernen, ich
hatte nur so meine Schwierigkeiten. Aber
wir haben die Zeit schon gemeinsam gemeistert und für mich war das auch nicht
schlecht, denn während die Kinder Farben und Zahlen auf Englisch lernten,
lernte ich sie auf Indonesisch. Diese Woche ist die Englischlehrerin jedenfalls
wieder da und jetzt darf ich sie begleiten, zugucken und ein bisschen helfen,
wofür ich auch keine Begleitung mehr brauche.

Meistens kann ich dann um neun oder zehn schon wieder gehen, aber nicht nach
Hause sondern ins Kirchenbüro hier in Sentani, kantor Sentani klasis. Hier
arbeitet auch meine aktuelle Gastmutter und ich mache die Arbeiten, die so
anfallen, damit ich nicht vor Langeweile zu Hause vor dem Laptop ende und
stundenlang DVDs gucke. Diese Arbeiten sind ganz unterschiedlich, entweder ich
putze oder ich schreibe Briefe ab oder packe sie in Umschläge oder ich besuche
Ate Joys English class, der auch hier im Haus stattfindet, damit die Schüler
jemandem zum Reden haben. Also es ist noch nicht wirklich anspruchsvoll, aber
immerhin habe ich etwas zu tun. Und das Beste hier ist, dass es Internet gibt,
ich bin schon völlig auf Entzug. Wobei es andererseits auch mal ganz angenehm
ist, einfach nicht 24/7 erreichbar sein zu müssen J

Zu Hause kann ich mich dann manchmal aufraffen Indonesisch zu lernen, aber die
Gefahr, wieder eine DVD zu gucken, ist relativ hoch. Abends wird auch am anderen
Ende der Welt zu Abend gegessen und dann gemeinsam ferngesehen…

Viele Grüße, eure Johanna

Memo an mich selbst: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das
so früh nach Beendigung meiner Schulzeit sagen würde, aber: Ich hatte wirklich
hervorragende Bedingungen und Möglichkeiten zu lernen.