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Rundbrief Nr 1

Autor: JohannaBodendie | Datum: 28 Dezember 2014, 03:54 | 2 Kommentare

Sehr geehrte Unterstützer, liebe Interessierte

Nun ist es tatsächlich soweit, die eine Hälfte der als
„Oleh-Oleh („Mitbringsel)“ mitgebrachten Schokolade ist mittlerweile verteilt, die andere in kleinen
Anflügen von Heimweh selbst verputzt, nach Benutzen der Wasserkelle steht nicht
mehr das ganze Bad inklusive all der Kleidung, die man trägt, unter Wasser und
ohne nicht mindestens ein Mal am Tag Reis gegessen zu haben, kann man
eigentlich nicht satt ins Bett gehen. Ja, es ist soweit und auch die
Indonesienfreiwilligen sind schon länger im Land ihrer Träume angekommen, als
sie darauf hatten warten müssen. Ich selbst habe tatsächlich erst diese Woche
den Boden „meines“ Manokwaris betreten, weswegen ich zu meinem Leben und meiner
Tätigkeit hier noch gar nicht viel berichten kann. Was ich sagen kann ist, dass
ich hier auf jeden Fall sehr herzlich aufgenommen worden bin, mit „Fußwaschung“
am Flughafen und Begrüßungstanz zu Hause.


 
Wenn auch nicht in manokwari habe ich doch die letzten beiden Monate nicht im luftleeren Raum verbracht sondern in Jayapura, der Haupt- und
auch der größten Stadt Papuas ganz im Osten Indonesiens, an der Grenze zu Papua
Neu Guinea. Und ich würde doch durchaus behaupten wollen, dass ich auch hier
die Möglichkeit hatte, etwas über die papuanische Kultur und Lebensweise zu
lernen. Einen Teil diesen ersten Einblicks möchte ich hier gern mit euch teilen.
Außerdem möchte ich von meiner bisher wohl intensivsten Zeit hier, dem „Youth
for Peace“ Camp in Salatiga in den letzten beiden Novemberwochen erzählen.

Jayapura, Papua, Indonesien, 18.10.2014, 06.00 am

Nach einer ungefähr eintägigen Reise aus Singapur, einer (jedenfalls
meinerseits) tränenreiche Verabschiedung
von den anderen Freiwilligen am für meine sowieso völlig aufgelösten
Nerven chaotischen Flughafen Jakartas, sechs Stunden Flug und einer schlaflosen
Nacht bin ich sehr erleichtert als das Flugzeug zu landen beginnt. Und fast
werde ich schon im Landeanflug für all meine Unannehmlichkeiten entschädigt. Von
meinem Fensterplatz aus erspähe ich in sattem (Regenwald-!)grün strahlende
Berge, die ab und zu von braunen Flüssen durchzogen werden. Der Flughafen von
Jayapura hat, was mich fast schon ein bisschen überrascht nach dieser
Naturpracht, tatsächlich eine asphaltierte Landebahn, wird aber trotzdem von
Palmen und Bergen gesäumt. Obwohl Jayapura zwei Millionen Einwohner hat, kommt
mir der Flughafen eher vor wie ein kleiner privater Sportflughafen, besonders
groß ist er jedenfalls nicht, weswegen es für Elvira von der VEM, die mich
abholt, nicht besonders schwer ist, mich hier zu identifizieren. Mich, als
einzige Weiße. Und gehöre ich in Deutschland auch eher zu den kleineren
Zeitgenossen, bin ich mindestens genauso groß, wenn nicht sogar ein wenig
größer als die meisten. Es ist also wirklich nicht schwer, mich zu finden.

Bevor ich mich an diesem ersten Tag auf papuanischem Boden im Asrama (Wohnheim)
P3W, meiner ersten „Station“ schlafen lege, habe ich meine erste Begegnung mit
einem Gecko und bin vollkommen verzückt von diesem kleinen flinken Wesen, das
scheinbar problemlos über Decken und Wände huscht. Nach ungefähr fünf Minuten
verstehe ich dann die irritierten Blicke der Mädchen im Asrama bezüglich meines
Staunens. Die Geckos sind überall und werden schnell ein bester Freund, da sie
Spinnen und, noch besser, Moskitos fressen.

Dass ich dann nicht, wie ich erwartet hatte, ein paar Tage
später nach Manokwari reisen konnte (tatsächlich stand mein Gastvater schon
einen Tag nach meiner Ankunft im Asrama um mich abzuholen, durfte mich aber
nicht mitnehmen) war wohl einer Aneinanderreihung unglücklicher (oder sollte
ich sagen glücklicher) Umstände geschuldet. Ich bin die erste VEM Freiwillige
in Manokwari, das neuerdings, wenn ich das richtig verstanden habe, in einen
anderen Zuständigkeitsbereich fällt als die Städte, die bisher Freiwillige
aufgenommen haben. Deswegen ist meine „Basis“ hier in Papua Jayapura. Möchte
man sich aber von seiner Basis wegbewegen benötigt man als Ausländer in Papua
eine Reiseerlaubnis, das hat mit den Freiheitsbewegungen in Papua zu tun.

Jedenfalls hatte ich so einen etwas über einmonatigen Aufenthalt in Jayapura,
was gar nicht so schlecht war, da ich hier im etwas behüteten Rahmen das Land,
die Sprache und einen ersten Arbeitsplatz kennen lernen konnte. Behütet
deswegen, weil es hier noch andere Freiwillige aus den USA und Kanada gibt,
weil eigentlich alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, wenigstens ein
bisschen Englisch sprechen und weil ich zu Hause den „Westen“ noch nicht ganz
aufgeben muss. Zu Hause ist nämlich für die Hälfte der Zeit bei der
philippinischen UEM Co-Workerin „Ate“ Joy, die hier Englisch unterrichtet und
schon westlicher lebt als die meisten Indonesier, die ich bisher kennen gelernt
habe. Dass sie Englisch unterrichtet ist auch für mich von Vorteil, da ich dadurch
gleich einen ganzen Haufen von Jugendlichen kennen lerne, die der englischen
Sprachen mächtiger sind als ich der indonesischen und mit denen ich das ein
oder andere Mal etwas unternehmen kann.

Natürlich fahre ich nicht nur an den Strand, um im Pazifik
zu baden oder in den Regenwald, um im Wasserfall zu schwimmen. Nach einer Woche
konnte ich, ganz unkompliziert, ganz spontan anfangen in einer Grundschule der
GKI TP, meiner Kirche hier in Papua zu arbeiten. Die fängt hier allerdings
schon um sieben Uhr an und die armen Kinder müssen auch samstags zum Unterricht
kommen. Ich zum Glück nur von Montag bis Freitag, mich nach einem halben Jahr
des „Lotterlebens“ nach dem Abitur wieder an das frühe Aufstehen zu gewöhnen,
war schon Herausforderung genug. In der Schule war ich offiziell, wenn ich das
richtig verstanden habe, Assistenz der Englischlehrerin. Das sah dann manchmal
so aus, dass ich dem Unterricht zugeschaut und die Aufgaben der Kinder
kontrolliert habe. Manchmal, wenn niemand wusste, wo die Englischlehrerin war
(wahrscheinlich kommt sie später, schließlich regnet es) stand ich aber auch
ein wenig planlos alleine vor der Klasse. Nach dem ersten kleinen Schock
meinerseits haben die Schüler und ich das dann aber meistens ganz gut
hinbekommen und ich habe (mit meinen zu dem Zeitpunkt quasi nicht existenten
Indonesischkenntnissen) mindestens genauso viel von ihnen gelernt wie sie von
mir.

Anfang November, also relativ kurzfristig, erhielten wir
Freiwilligen die Nachricht, dass wir nach Salatiga zum ersten Youth for Peace
Camp des VEM Regionalbüros Asien eingeladen wären, worüber ich mich sehhr
gefreut habe. Wenn ich sage, dass die Zeit in Salatiga meine bisher intensivste
war möchte ich damit nicht sagen, dass während der anderen Zeit nichts
passieren würde, ich erlebe, wenn ich mal so darüber nachdenke, ziemlich viel
und Dinge, die so neu sind, dass ich glaube ich noch gar nicht in der Lage dazu
bin, sie wirklich zu verarbeiten.

Doch in diesen zwei Wochen mit 25 anderen Jugendlichen aus
verschiedenen Kontexten habe ich so unglaublich viele neue Eindrücke und
Erkenntnisse gewonnen, habe während eines Tages vor Lachen, vor Rührung und vor
Bewegtheit geweint und hatte innerhalb weniger Tage eine neue „Familie“
(tatsächlich war es so, dass wir uns die ganze Zeit einen Spaß daraus machten,
irgendwelche weit verzweigten Stammbäume zu entwerfen. Da konnten dann auch
schon mal eine indonesische Muslima und ein sri lankanischer Methodist Eltern
eines deutschen Protestanten sein. So einfach ist Völkerverbindung ;) ).

So kam es also, dass vier der sechs Indonesienfreiwilligen
sich schon am 17.11, genau einen Monat nachdem sie sich getrennt hatten, im MC
Donalds des Jakartaer Flughafens wiedertrafen und sich sehr viel zu erzählen
hatten. „Gibt es bei euch auch zu jeder
Mahlzeit Reis?“, „Wie macht man denn nun mit der Wasserkelle und dem Hockklo?“
, „Kommt ihr mittlerweile klar mit dem Linksverkehr?“, „Gibt es bei euch auch
Pinang oder Papeda?“, „Wie, bei euch gibt es keine becaks?“, „Die Fotos, oh ja,
die ganzen Fotos, mittlerweile hasse ich Fotos!“…

So waren wir also wieder an einem neuen Ort angekommen und
würden die nächsten zwölf Tage mit anderen jungen Menschen aus verschiedenen
christlichen und muslimischen Kontexten aus Indonesien, Sri Lanka, den
Philippinen und eben aus Deutschland verbringen. Wie kann ich dieser Zeit
gerecht werden, wenn ich sie auf einer Seite beschreiben soll? Lasst mich so
beginnen:

Am ersten Tag wurden wir gebeten, in einem Satz unsere
Erwartungen aufzuschreiben. Ich
schrieb: „I expect joy, inspiration, new friendships and new experiences and I´d
like to expand my horizon.“ Vielleicht also einfach das, was man in so
einer Situation immer schreibt, einfach weil es sich gut anhört, auch wenn man
gar nicht unbedingt davon überzeugt ist. Spaß, sowas kann schon mal passieren,
wenn man zehn Tage zusammen ist. Inspiration, so ein großes und irgendwie
undefiniertes Wort, was heißt das schon? Neue Freundschaften. Nach zehn Tagen,
wenn man sich nicht mal richtig unterhalten kann? Neue Erfahrungen. Sowas macht man wohl
zwangsläufig, wenn man mit neuen Menschen
zu tun hat. Horizont erweitern. Ja das ist tatsächlich sowas, was sich
irgendwie immer gut anhört und was man in jede Bewerbung schreiben kann.

Und jetzt ungefähr zehn Tage später…? Jetzt kann ich aus
voller Überzeugung sagen, dass all diese Punkte über meine Erwartungen hinaus,
wenn ich denn konkrete Erwartungen hatte, erfüllt worden sind. Spaß. Ich war
zwei Wochen lang kaum eine Minute alleine und habe es genossen. Ich habe es
genossen, mit 10 anderen Menschen zu singen und Gitarre zu spielen, auch am
Tanzen haben wir Deutschen uns versucht, wenn auch mit nicht so viel Erfolg wie
unsere asiatischen Co Peacemaker. Am Ende hatten die Indonesier mit „Story of
my Pony“ mehr Spaß als wir und das, wo
wir erst gezögert hatten, es ihnen vorzustellen (da es ein Spiel ist, bei dem man einander relativ
ungehemmt antanzt). Man kann sich kaum vorstellen, wie spaßig es ist gemeinsam
einen „Garten des Friedens“ anzulegen und danach darin eine
Riesenschlammschlacht zu veranstalten.

Noch besser, sich später im monsunartigen Regen tanzend
wieder sauber „waschen“ zu lassen. Oder wie unterhaltsam eine Art „Stille Post
mit Pantomime“ enden kann. Ist das
albern, wenn man bedenkt, dass wir alle junge Erwachsene sind? Vielleicht. Aber
gerade in solch ungezwungenen Situationen lernt man sehr viel übereinander.
Lernt, dass die Anderen gar nicht so anders sind.

An dieser Stelle kann ich auch gleich über neue Erkenntnisse
und Erfahrungen sprechen. Ein Wort im Pantomimespiel war nämlich „kochen“. Da
der erste und der letzte Mensch in der Reihe jeweils ein Deutscher war, wurde es
am Ende zwar erraten, alle Indonesier sahen ihren Vordermann allerdings
ziemlich ratlos an, wenn er ihnen die für uns „Europäer“ völlig
selbsterklärende Geste des Umrührens im Kochtopf vormachte. Beim Kochen im Wok
rührt man aber nicht auf diese Weise. Ich fand dieses Erlebnis sehr bezeichnet,
da es mir gezeigt hat, dass man zwar das Gleiche meinen kann, aber es nicht
weiß, weil man den Hintergrund des anderen nicht kennt. Das führte nun in
diesem Fall zu keiner Katastrophe, aber es war ja auch nur ein Spiel. Ich habe
noch so viele neue Erfahrungen gemacht, dass ich sie hier leider gar nicht alle
mit euch teilen kann.

Sehr interessant war auf jeden Fall der Besuch im muslimischen Pesantren (so
eine Art Internat), in dem wir einen sehr freundlichen Islam kennen gelernt
haben mit einem Religionslehrer, der uns davon erzählt hat, dass, wie
eigentlich bei allen Religionen, auch der Islam den Frieden als Grundstein hat
und dass religiöse Fanatiker und Terroristen mit dieser Religion nichts zu tun
haben. Außerdem musste ich hier feststellen, dass mein Glaube wohl noch nicht
fest genug ist um mich stundenlang im Kreis zu drehen, ohne dass mir
schwindelig wird.

Im buddhistischen monastery (auch eine Schule), dass auf einem Berg lag, sodass ich hier abends das erste Mal seit fünf Wochen eine Jacke trug,  fanden wir heraus, dass man auf diesen Instrumenten die klingen, als würde der Wind sie spielen, tatsächlich auch Jingle Bells spielen kann wir erfuhren, , dass es im Buddhismus darum geht,
quasi selbst so weise und gut zu werden wie Buddha. Man kümmert sich also um
sich selbst, seinen inneren Frieden, und
betet Buddha nicht an (denn „Buddha already passed away so many years ago“).
Insgesamt kam mir das ganze sehr friedlich und auch irgendwie vernünftig vor.
Wirklich bei sich selbst anzufangen ist ja auf jeden Fall schon mal nicht
schlecht.

Außerdem musste ich während der uns zu Ehren 30 Minuten dauernden Meditation
(sonst meditieren sie in der „Andacht“ mit unglaublich anzuhörenden
buddhistischen Gesängen nur 10 Minuten) feststellen, dass ich nicht mal zwei
Minuten still sitzen kann. Aber ich werde besser, ich übe seit dem fast jeden
Tag und finde es sehr beruhigend und inspirierendJ.
Hier im monastery habe ich aufgrund der neuen Zimmeraufteilung auch sehen
können, was ich in den letzten Tagen schon erfahren hatte: unter dem Kopftuch
ist Resta eben auch eine ganz „normale“ (was heißt schon normal) junge Frau mit
schönen schulterlangen Haaren.

Die Gastfreundschaft in allen Orten, die wir besucht haben, war überwältigend!

Sonst gab es noch zwei Geschehnisse, die mich so sehr bewegt
haben, dass ich selbst den Tränen nahe war. Das erste Mal war nach ein paar
Tagen, als wir nach einer Traumreise sagen sollten, wie wir uns fühlen und
Suren aus Sri Lanka vor Glück angefangen hat zu weinen, weil es, wie er sagte,
hier egal ist, welche Hautfarbe oder Religion er hat und dass er sich in dieser
Gruppe vorbehaltlos und vorurteilsfrei aufgenommen fühlt.

Das andere Mal war, als Litol von den Philippinen bei ihrer Präsentation über
die aktuelle Situation der Haiyanopfer in Tacloban angefangen hat zu weinen.
Man weiß ja theoretisch, was passiert ist, aber es so „nah“ zu erfahren ist
eben doch nochmal etwas ganz anderes.

So komme ich weiter zu meiner Inspiration. Ich habe hier
Menschen kennengelernt, die nicht nur zugucken und lamentieren, sondern
tatsächlich etwas tun für ihre Mitmenschen, auch wenn es für sie selbst nicht
unbedingt ungefährlich ist. Menschen, die daran glauben, dass wir die Welt
gemeinsam verbessern und für alle lebenswerter machen können und sich
vollkommen im Klaren darüber sind, dass das nicht sofort passieren und nicht
einfach sein wird. Trotzdem hoffe ich sehr, etwas von dieser Energie und diesem
Verantwortungsgefühl in mir zu behalten und mit nach Deutschland zu nehmen.

In Anlehnung an eines dieser inspirierenden Gespräche: Von
der Diakonie Katastrophenhilfe gibt es Plakate mit dem Spruch: „Die schlimmste
Katastrophe ist das Vergessen“. Man kann diesen Satz wohl auf jede erdenkliche
(Natur)katastrophe anwenden, spricht man nun von dem Erdbeben in Haiti 2011,
dem Tsunami im indischen Ozean 2004, den Überschwemmungen Ostdeutschlands im
Sommer 2013, oder, wie in meinem Gespräch, über Haiyan. Für die Menschen vor Ort fangen die
Schwierigkeiten nach dem ersten Schock ja erst an, wenn die Medien und die
Reporter wieder verschwunden sind. Um wieder auf das Beispiel Tacloban (dem
Zentrum von Haiyans Verwüstung) zurückzukommen weiß ich nun quasi aus erster
Hand, dass viele Menschen dort immer
noch keine Unterkünfte haben und in überfüllten Flüchtlingslagern leben müssen,
ein Jahr nach dem Taifun. Dass nun vor einigen Tagen ein neuer Taifun fast die
gleichen Gebiete noch einmal zerstört hat, macht es nicht leichter. Dies soll
kein Spendenaufruf sein und ich möchte auch niemandem Ignoranz unterstellen, in
keinem Fall. Dass ihr diesen Brief lest
und das Programm unterstützt zeigt ja, dass ihr euch interessiert für das, was
auf der Welt passiert. Trotzdem denke ich, dass man sowas lieber ein Mal zu
viel als ein Mal zu wenig sagt und ich glaube auch, dass es hier nicht auf
taube Ohren stößt.

Natürlich haben wir 25 jungen Menschen nicht innerhalb von
12 Tagen die Welt gerettet, aber darum ging es auch nicht. Ich glaube wir haben
alle sehr viel mitgenommen und sind offener und aufnahmefähiger geworden für
Konflikte und Probleme auf der Welt, ob nun bei uns vor der Haustür oder
woanders. Ich kann von mir sagen, dass ich viel von den Anderen und auch viel
über mich selbst gelernt habe und diese zwei Wochen mit Sicherheit nicht so
schnell vergessen werde! Definitiv habe ich „meinen Horizont erweitert“. Es war
schon merkwürdig, sich nach zwei Wochen wieder voneinander zu Verabschieden in
dem Wissen, dass man sich wahrscheinlich nie wieder sieht. Tatsächlich hoffe
ich wirklich sehr, einige Teilnehmer irgendwann wiedersehen zu können!

An dieser Stelle möchte ich allen Unterstützern danken, da
solche Projekte eben genau durch Spenden möglich werden! Wer noch mehr Bilder
vom camp sehen möchte, kann mal auf der facebook Seite der UEM Asia vorbeischauen.

Wer mehr und regelmäßiger über mein Leben in Indonesien
erfahren möchte, kann das sehr gerne auf meinem Blog oder auch den Blogs der
anderen Freiwilligen tun.

Vielen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung,
sampai jumpa dan salam dari Papua

Eure Johanna



 



 



 



 



 



 



 



 

Von Weihnachten

Autor: JohannaBodendie | Datum: 28 Dezember 2014, 03:45 | 0 Kommentare

Warum liegt eigentlich eine Woche zwischen Weihnachten und
Neujahr?

Wohl damit man Zeit hat für sämtliche Weihnachtsfeiern,
-gottesdienste und –besuche. Heute, am 27.12.14, ist der größte Teil von
Weihnachten zwar auch hier vorbei, aber so ganz möchte man es scheinbar doch
noch nicht ziehen lassen. Heute Abend ist ein Jugendweihnachtsgottesdienst,
morgen dann ein anderer, das zieht sich so hin bis Silvester und auch im Januar
wird es noch die eine oder andere Weihnachtsfeier geben. Und das, wo das Ganze
eigentlich schon im Oktober angefangen hat. Seit ich in Indonesien angekommen
bin, blinken mich aus jeder Ecke Plastikweihnachtsbäume in allen erdenklichen
Farben mit schrillen weihnachtsliederspielenden Lichterketten und Lametta an.
Die Intensität und Menge dieser Weihnachtsdekoration erreichte nun in den
letzten Wochen ihren Höhepunkt und waren die Plastikbäume aus, bastelte man
einfach neue aus leeren Flaschen, CDs oder Müll. Ich muss zugeben, dass ich von
dieser Kreativität ziemlich beeindruckt bin, wobei ich doch immer noch die gute
alte Tanne, die ein paar Tage im Wohnzimmer steht und mit ein paar Kerzen
geschmückt wird, bevorzuge.

Auch wenn ich bis zum heutigen Tage nicht wirklich in
Weihnachtsstimmung gekommen bin (außer vielleicht ein bisschen beim „Stille
Nacht“, in der dunklen, nur mit Kerzen erleuchteten Kirche. Das kann ich jetzt
auch auf Indonesisch schon perfekt mitträllern.), konnte man es gar nicht
„übersehen“, das Weihnachten kommt. Seit Wochen ist die ganzen Stadt mit
riesigen Bannern behangen, die allen Bewohnern ein frohes Fest wünschen, ich
bin schon auf sämtlichen Sinta Claas Paraden, bei denen die Jugendlichen
weihnachtlich verkleidet mit dröhnender Musik auf Pick Ups durch die Stadt
rasen und Süßigkeiten schmeißen (es erinnert mich eher an Karneval) mitgefahren
und wenn ich gewollt hätte, dann hätte ich wohl in den letzten Wochen jeden Tag
auf eine Weihnachtsfeier gehen können.

Vor den Weihnachtstagen hatte ich ehrlich gesagt ein
bisschen Angst. So weit weg, so „ganz allein“ in einem so anderen Kontext. Aber
eigentlich war diese Angst unbegründet und Weihnachten zwar vollkommen anders,
als ich es gewohnt bin, aber doch ganz schön. Der 24.12 war noch relativ
entspannt und ich habe mit Hilfe der Nachbarskinder aber leider eher mäßigem
Erfolg versucht, Weihnachtsplätzchen zu backen. Und dann startete am Abend ein
dreitägiger Kirchen- und Besuchsmarathon. Hier ist es nämlich Tradition, die
Weihnachtstage dazu zu nutzen, alle möglichen Menschen zu besuchen, Geschenke
spielen dafür eigentlich überhaupt keine Rolle. Was mich überrascht hat war,
dass zu vielen dieser „Empfänge“ auch viele Muslime kamen, um mit uns Christen
„unser“ Fest zu feiern. Das hat mich sehr gefreut. Überhaupt ist Indonesien für
mich oft ein positives Beispiel des Zusammenlebens der unterschiedlichen
Religionen.

In diesem Sinne: Selamat Hari Natal und auf die nächste Weihnachtsfeier. Nach
Weihnachten ist vor Weihnachten. Mal sehen, ob die Banner überhaupt abgehangen
und die Bäume weggeräumt werden. Und Weihnachtslieder kann man ja schließlich
eigentlich auch im März singen.

Memo an mich selbst: Nächstes Jahr, wenn du wieder im
Schmuddelwetter in Deutschland sitzt, wirst du dir die Hitze zurück wünschen.
Wo du jetzt doch so Lust auf kaltes Wetter hast…

Jaja, the grass is always
greener on the other side of the fence…

Eure Johanna

 

Von Blasen und Blutdruckmessgeräten

Autor: JohannaBodendie | Datum: 12 Dezember 2014, 12:04 | 4 Kommentare

Seit einer Woche bin ich nun im heißen aber irgendwie
gemütlichen Manokwari. Ich wohne hier bei einer Pfarrfamilie im Pfarrhaus, das
direkt neben der Kirche an einer schon recht stark befahrenen Straße liegt und
riesig ist. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn außer den zur Familie
gehörenden Menschen (Bapak Pendeta Simbiak, Ibu Pendeta Ayatanoy (Herr und Frau
Pastor), Sohn Fidel (8), Tochter Luna (2), Tante Regi, die so eine Art
Haushälterin und Kindermädchen ist und nun auch ich) wohnen hier ständig noch
irgendwelche anderen Menschen.

Dass bald Weihnachten ist, merkt man überall und spätestens daran, dass von
Anfang Dezember bis Anfang Januar sämtliche Einrichtungen zu schließen
scheinen. Deswegen arbeite ich jetzt erst mal jeden Tag beim Arzt, der hat
nämlich noch nicht geschlossen. Meine „Aufgabe“ hier besteht darin, mal hier
und mal dort zuzuschauen, Medikamente zu zermörsern und zu verpacken, Patientenkarteien
zu schreiben oder rauszusuchen oder einfach darin, mit den Patienten während
ihrer Wartezeit ein Pläuschchen zu halten und Pinang zu essen. Manuell
Blutdruck zu messen habe ich auf jeden Fall auch schon gelernt in der letzten
Woche!

Zu meiner großen Freude gibt es hier in Manokwari ein sehr
gut organisiertes offenes Volleyballtraining, das jeden Tag stattfindet und in
dem auch ich trotz meiner bescheidenen Volleyballfähigkeiten herzlich
aufgenommen wurde. Leider bin ich bei meinem ersten Besuch überhaupt nicht auf
die Idee gekommen, Turnschuhe anzuziehen, da ich Schuhe hier eigentlich nur im
Flugzeug oder in der Kirche trage! Blöderweise hatten alle anderen Turnschuhe
an und ich merkte bald auch warum. Meine zarten Füßchen sind wohl auch nach
zwei Monaten Freiheit noch nicht stark genug, um zwei Stunden auf heißem
Asphalt einem Ball hinterher zu springen. Jedenfalls hatte ich nachher zwei
große Blasen unter den Fußsohlen, weswegen ich zwei Tage nicht laufen konnte
und wurde von meinen Mitspielern angewiesen, mir das nächste Mal doch bitte
Schuhe anzuziehen. Ja, das ist wohl keine schlechte Idee. Ich hatte wirklich
nicht gewusst, dass so etwas so weh tun kann.

Memo an mich selbst: Manchmal ist es gar nicht so dumm, ein
bisschen logisch zu denken bevor man
etwas tut.

Liebe Grüße

Johanna

 

Vom Ankommen

Autor: JohannaBodendie | Datum: 05 Dezember 2014, 08:29 | 0 Kommentare

Angekommen bin ich in letzter Zeit oft, an vielen Orten, bei
vielen neuen Menschen und doch nie so richtig, da ich wusste, dass es kein
Aufenthalt von Dauer sein würde. Beziehungsweise war ich in Jayapura, meiner
ersten „Station“ hier in Papua tatsächlich schon ein bisschen angekommen,
weswegen es mir fast leid tat, als es dann gestern nach zwei Monaten
tatsächlich Zeit war für den Aufbruch nach Manokwari. Nun, über sechs Wochen,
neun Flüge, 10 Mal Koffer packen, acht Umzüge und ein Jugendcamp später konnte
ich gestern tatsächlich den palmengesäumten Flughafen in Manokwari betreten und
wurde zugleich herzlichst empfangen, inklusive der manokwarischen Tradition des
Füße bzw. des Schuhe Waschens, was sich mit meinen klobigen Turnschuhen
allerdings als ein bisschen schwierig erwies…

Wirklich Zeit zum Entspannen hatte ich dann nicht, da
natürlich erst mal das gesamte 20 oder 30 köpfige Begrüßungskomitee ein Foto
mit mir haben musste (ya ya, selamat datang di Indonesia ;)). Außerdem war
gestern der Santa Claus karnival für Jugendliche. Karneval trifft es meiner
Meinung nach ganz gut, das ganze lief nämlich so ab, dass sämtliche Jugendliche
der Stadt auf sämtlichen weihnachtlich gestalteten Pick Ups oder Motorrädern
mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf durch die ganze Stadt gefahren sind und
„Kamelle“ geworfen haben. Für mich war das eine gute Gelegenheit, etwas von der
Stadt zu sehen und mich ein bisschen mit „meinen neuen Jugendlichen“ zu
unterhalten. Und das klappt auch auf Indonesisch schon erstaunlich gut. Auch
wenn man vielleicht nicht von Unterhalten sondern eher von einem „Die anderen
reden, ich höre zu und nicke“ sprechen kann.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich glaube, hier kann ich
wirklich ankommen, nicht nur physisch, sondern ganz, mit meiner Seele und
meinem Herzen.

Memo an mich selbst: Abschied bedeutet nicht nur, Altes zu
verlassen. Es bedeutet fast immer auch,
dass sich einem neue Chancen öffnen!

Eure Johanna