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Vom Krank Sein

Autor: JohannaBodendie | Datum: 22 Januar 2015, 14:35 | 1 Kommentare

Okay, das ist möglicherweise nicht besonders originell, aber ich versuche mehr oder
weniger, wöchentlich einen Blogeintrag zu schreiben und da meine letzte Woche
vom krank Sein geprägt war, gäbe es auch nicht viel anderes zu berichten.

Krank sein ist nie schön! Noch unschöner ist es, wenn Mama
sich unerreichbar auf der anderen Seite der Welt befindet und ja auch nichts
machen kann, auch wenn sich die Leute hier wirklich gut um mich gekümmert
haben. Aber es ist auch sehr ärgerlich, wenn man eigentlich gerade richtig
anfangen möchte zu arbeiten, nachdem irgendwann auch mal alles mit allen
abgesprochen ist, und man dann eine ganze Woche lang mit Kopfschmerzen und
Fieber im Bett liegt. Diese blöden kleinen Malariamücken!

Naja, hatte ich mich auch vorher immer ein bisschen lustig darüber gemacht,
dass die Leute immer sofort zum Arzt rennen und auch immer Tabletten und
Medikamente nehmen, war ich bei mir selbst dann irgendwie doch ganz froh, dass
die Menschen sich hier mit Tropenkrankheiten auskennen, dass so schnell wie
möglich geklärt war, was mir den nun fehlt und auch ich dann mein
Medikamentenbeutelchen bekam.

Und ich glaube, langsam dieses fröhliche Medikamentengenehme
zu verstehen. Vermutlich würde ich meinem Kind auch Tabletten geben und nicht
erst mal abwarten, bis es an Fieber gestorben ist. Es eben am besten gar nicht
erst so weit kommen lassen, dass man irgendeine Art von medizinischer Hilfe
braucht, die man hier nicht bekommen kann. Ich höre hier von so vielen
Menschen, die sterben, weil sie krank sind, nicht, weil sie alt sind. Die
Menschen haben mir erzählt, dass es so etwas wie Chemotherapie hier nicht gibt
und es existiert, laut meiner Gastmutter, in ganz Papua ein Kernspintomograph
und der ist kaputt.

Ich möchte damit nicht sagen, dass Papua rückständig ist
oder so, teilweise wird aber theoretisch vorhandenes Geld vielleicht nicht
optimal für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen genutzt. Ich
wollte damit aber sagen, dass die Menschen hier teilweise eben einfach nicht
die Möglichkeit haben, mal abzuwarten was passiert oder erst mal ein paar
alternative Heilungsmethoden auszuprobieren.

Memo an mich selbst: Erst mal die Situation kennen und
verstehen lernen, bevor man über sie urteilt!

 

Davon, wie ich meinen ersten Yospan tanzte, umgeben von Soldaten

Autor: JohannaBodendie | Datum: 11 Januar 2015, 06:40 | 0 Kommentare

Nachdem meine Gastmutter und ich am Morgen des 07. Januar
2015 zum dritten oder vierten Mal einen „schedule“ entworfen hatten, der bisher
leider noch nicht komplett in die Tat umgesetzt werden konnte, weil die Schule
(in der ich arbeiten soll) das mit den Ferienzeiten relativ flexibel sieht und
sie einfach mal um ein paar Tage verlängert (um es mit den Worten einer
Englischlehrerin zu beschreiben: „I dont think that I`m going 2 work
2mrw.hehe..still feeling lazy 2 think hard.haha..“) machte ich mich eben auf
den Weg um wieder beim Arzt zu arbeiten. Nur um dann dort festzustellen, dass
ich eigentlich die Einzige war. Nach ungefähr einer Stunde wusste ich dann auch
warum, es wahr Neujahrsempfang für alle Mitarbeiter der Kirche (zu der dieser
Praxis auch gehört) im kantor sinode, zu der wir Hinterbliebenen dann auch
fuhren. Nach zwei Stunden von Reden und Ansprachen, von denen ich noch nicht
besonders viel verstehe, wurde ich von meinen Arbeitskolleginnen vom Arzt mit
zum „Militärfest“ genommen. So ganz habe ich nicht verstanden, worum es sich
dabei handelt, aber es hat mich ein bisschen an ein Volksfest oder eine Kirmes
erinnert, abgesehen davon, dass man sich an jedem zweiten Stand Gewähre oder
andere Militärutensilien angucken konnte.

Als wir gerade gehen wollten sah ich, dass sich ein paar
kostümierte Tänzer vor der Bühne aufstellten und das wollte ich mir doch ganz
gerne angucken. Was ich nicht wusste war, dass sie den Yospan, einen
papuanischen Volkstanz anführen würden. Bei diesem Tanz folgt die Menge den
Vortänzern und ahmt (mehr oder weniger erfolgreich) deren Bewegungen nach,
während man im Kreis läuft. Und so stand ich, ehe ich überhaupt wusste, was los
war, inmitten dieser kostümierten Tänzer, anderer Zuschauer und vieler Soldaten
und hoppelte etwas unbeholfen über den Rasen. Wenn ich es schaffte, die
Bewegungen nachzuahmen, geschah das leider ungefähr zwei Sekunden
zeitverzögert, was dazu führte, dass ich sämtlichen Menschen auf die Füße
trampelte, aber irgendwie war das auch nicht weiter schlimm, man wurde einfach von der Masse weitergetragen
und trotz der Hitze und meiner bescheidenen Fähigkeiten hat es großen Spaß
gemacht! Schon alleine mit hunderten Soldaten, die sonst auch doch mal
furchteinflößend wirken können, in einer Art Ententanz (das ist der
Grundschritt…) über die Wiese zu zockeln war eine unterhaltsame Situation J.

Dann musste natürlich erst mal gegessen werden, schließlich war es schon drei
Uhr nachmittags und so „hungrig“ hätte man mich auf keinen Fall wieder zu Hause
abliefern können!! Wieder zu Hause war ich dann sehr froh über die Wasserkelle
und das kalte Wasser, das ich mir über den Kopf kippen konnte!

Memo an mich selbst: Ruhig mal "mit dem Flow" gehen

 

Von etwas, das mich schon länger beschäftigt

Autor: JohannaBodendie | Datum: 01 Januar 2015, 05:01 | 0 Kommentare

Ja, von was eigentlich. Schon länger hatte ich darüber
nachgedacht, mal etwas über nationalsozialistische Symbolik und das Bewusstsein
darüber, das mir hier begegnet (oder eben nicht) zu schreiben. Dass ich es
jetzt tue hat den Grund, dass mir gestern beim Einkaufen fast der Stoff aus der
Hand gefallen ist, als sich mir vom T-Shirt des Verkäufers ein (in Deutschland
verbotenes!) Hakenkreuz präsentierte. Ich kenne den Verkäufer nicht, trotzdem
gehe ich davon aus, dass er kein Nazi ist. Nur im Gegensatz zu Deutschland, wo
wahrscheinlich jedem dieses Symbol sofort negativ auffallen würde, löst es hier
keine schlechten Konnotationen aus. Genauso wenig, wie die Jugendlichen, die in
Dauerschleife das Deutschlandlied (also nicht die 3. Strophe) hören, wohl der
Meinung sind, das Deutschland über allem stünde, zumal sie den Text ja gar
nicht verstehen. Ich wäre allerdings vor Ungläubigkeit über das, was ich da
höre, fast meiner Angel hinterher gefallen. Auch als „Narzist“ würden sich bei
uns wahrscheinlich die wenigsten bezeichnen, wobei es hier einfach bedeutet,
dass man sich gern selbst fotografiert.

Ein anderes interessantes Erlebnis war, als wir eines abends
beim Youth for Peace Camp gemütlich beisammensaßen und plötzlich ein
indonesischer Teilnehmer sagte, er sei der Meinung, dass Hitler schon jemand
sei, den er respektiere, da er ja schon viel geschafft habe und ein ganzes Land
auf diese Weise organisiert habe und so weiter. Sofort waren wir Deutschen in
Alarmbereitschaft und reagierten alle fünf komplett gleich. Mit Ablehnung
dieser Gedanken. Versuchten, ihm diese Denkweise auszureden und bloß kein gutes
Haar an Hitler und dem 3. Reich zu lassen. Natürlich war die Meinung des
Indonesiers nicht unbedingt reflektiert und hintergründig fundiert, doch später
ist mir dann aufgefallen, dass unsere das auch nicht wirklich war. Jahrelang
werden wir darauf gepolt, alles Nationalsozialistische abzulehnen, was ich
persönlich nicht unbedingt kritisiere. Trotzdem hatte ich nie darüber
nachgedacht, dass das anderswo nicht so sein könnte…

Ich will das gar nicht bewerten, weil ich mir selbst noch nicht klar darüber
bin, wie das einzuschätzen ist und was ich darüber denken möchte. Ich wollte
nur gern mal davon erzählen.

Memo an mich selbst: Tolerant zu sein und die Welt zu
entdecken heißt vielleicht auch, wenigstens zu versuchen, Denkweisen zu
verstehen, die einem völlig absurd und vielleicht sogar zuwider erscheinen. Man
muss es dann immer noch nicht gut finden doch sollte sich bewusst sein, dass
die eigene Meinung und Überzeugung nicht immer und überall die letztgültige
Wahrheit ist!

Eure Johanna