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Von Blasen und Blutdruckmessgeräten

Autor: JohannaBodendie | Datum: 12 Dezember 2014, 12:04 | 3 Kommentare

Seit einer Woche bin ich nun im heißen aber irgendwie
gemütlichen Manokwari. Ich wohne hier bei einer Pfarrfamilie im Pfarrhaus, das
direkt neben der Kirche an einer schon recht stark befahrenen Straße liegt und
riesig ist. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn außer den zur Familie
gehörenden Menschen (Bapak Pendeta Simbiak, Ibu Pendeta Ayatanoy (Herr und Frau
Pastor), Sohn Fidel (8), Tochter Luna (2), Tante Regi, die so eine Art
Haushälterin und Kindermädchen ist und nun auch ich) wohnen hier ständig noch
irgendwelche anderen Menschen.

Dass bald Weihnachten ist, merkt man überall und spätestens daran, dass von
Anfang Dezember bis Anfang Januar sämtliche Einrichtungen zu schließen
scheinen. Deswegen arbeite ich jetzt erst mal jeden Tag beim Arzt, der hat
nämlich noch nicht geschlossen. Meine „Aufgabe“ hier besteht darin, mal hier
und mal dort zuzuschauen, Medikamente zu zermörsern und zu verpacken, Patientenkarteien
zu schreiben oder rauszusuchen oder einfach darin, mit den Patienten während
ihrer Wartezeit ein Pläuschchen zu halten und Pinang zu essen. Manuell
Blutdruck zu messen habe ich auf jeden Fall auch schon gelernt in der letzten
Woche!

Zu meiner großen Freude gibt es hier in Manokwari ein sehr
gut organisiertes offenes Volleyballtraining, das jeden Tag stattfindet und in
dem auch ich trotz meiner bescheidenen Volleyballfähigkeiten herzlich
aufgenommen wurde. Leider bin ich bei meinem ersten Besuch überhaupt nicht auf
die Idee gekommen, Turnschuhe anzuziehen, da ich Schuhe hier eigentlich nur im
Flugzeug oder in der Kirche trage! Blöderweise hatten alle anderen Turnschuhe
an und ich merkte bald auch warum. Meine zarten Füßchen sind wohl auch nach
zwei Monaten Freiheit noch nicht stark genug, um zwei Stunden auf heißem
Asphalt einem Ball hinterher zu springen. Jedenfalls hatte ich nachher zwei
große Blasen unter den Fußsohlen, weswegen ich zwei Tage nicht laufen konnte
und wurde von meinen Mitspielern angewiesen, mir das nächste Mal doch bitte
Schuhe anzuziehen. Ja, das ist wohl keine schlechte Idee. Ich hatte wirklich
nicht gewusst, dass so etwas so weh tun kann.

Memo an mich selbst: Manchmal ist es gar nicht so dumm, ein
bisschen logisch zu denken bevor man
etwas tut.

Liebe Grüße

Johanna

 

Vom Ankommen

Autor: JohannaBodendie | Datum: 05 Dezember 2014, 08:29 | 0 Kommentare

Angekommen bin ich in letzter Zeit oft, an vielen Orten, bei
vielen neuen Menschen und doch nie so richtig, da ich wusste, dass es kein
Aufenthalt von Dauer sein würde. Beziehungsweise war ich in Jayapura, meiner
ersten „Station“ hier in Papua tatsächlich schon ein bisschen angekommen,
weswegen es mir fast leid tat, als es dann gestern nach zwei Monaten
tatsächlich Zeit war für den Aufbruch nach Manokwari. Nun, über sechs Wochen,
neun Flüge, 10 Mal Koffer packen, acht Umzüge und ein Jugendcamp später konnte
ich gestern tatsächlich den palmengesäumten Flughafen in Manokwari betreten und
wurde zugleich herzlichst empfangen, inklusive der manokwarischen Tradition des
Füße bzw. des Schuhe Waschens, was sich mit meinen klobigen Turnschuhen
allerdings als ein bisschen schwierig erwies…

Wirklich Zeit zum Entspannen hatte ich dann nicht, da
natürlich erst mal das gesamte 20 oder 30 köpfige Begrüßungskomitee ein Foto
mit mir haben musste (ya ya, selamat datang di Indonesia ;)). Außerdem war
gestern der Santa Claus karnival für Jugendliche. Karneval trifft es meiner
Meinung nach ganz gut, das ganze lief nämlich so ab, dass sämtliche Jugendliche
der Stadt auf sämtlichen weihnachtlich gestalteten Pick Ups oder Motorrädern
mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf durch die ganze Stadt gefahren sind und
„Kamelle“ geworfen haben. Für mich war das eine gute Gelegenheit, etwas von der
Stadt zu sehen und mich ein bisschen mit „meinen neuen Jugendlichen“ zu
unterhalten. Und das klappt auch auf Indonesisch schon erstaunlich gut. Auch
wenn man vielleicht nicht von Unterhalten sondern eher von einem „Die anderen
reden, ich höre zu und nicke“ sprechen kann.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich glaube, hier kann ich
wirklich ankommen, nicht nur physisch, sondern ganz, mit meiner Seele und
meinem Herzen.

Memo an mich selbst: Abschied bedeutet nicht nur, Altes zu
verlassen. Es bedeutet fast immer auch,
dass sich einem neue Chancen öffnen!

Eure Johanna

 

Vom Essen

Autor: JohannaBodendie | Datum: 14 November 2014, 03:47 | 11 Kommentare

Wer mich kennt weiß, dass ich in Deutschland Vegetarierin
bin. Hier ist das anders, aber ehrlich gesagt wäre es zu einfach zu sagen, dass
ich als Vegetarier hier nicht überleben würde und deswegen Fleisch esse.
Hauptsächlich wird hier nämlich, wie klischeehaft, Reis gegessen, dazu Fisch oder
Tofu und Gemüse oder eine Art Suppe und Fisch esse ich ja auch in Deutschland.
Mit dem Unterschied, dass ich dort meist das grätenlose Filet genieße und hier
dem Fisch in seine Augen sehen kann oder aufpassen muss, dass ich meine Zunge
nicht an einem Zahn schneide oder an einer Riesengräte ersticke. Wenn es dann
mal Fleisch gibt (eigentlich nicht so oft), wird alles verwendet (von Kopf bis
Fuß hatte ich quasi schon jedes Teil eines Huhns auf meinem Teller), was mein
Gewissen dem Tier gegenüber ein wenig beruhigt.

Wenn kein Reis gegessen wird gibt es, jedenfalls hier in
Papua, Papeda. Das wird aus Sago gemacht, Sago ist ein Baum. Irgendwie wird
dann der Baumstamm pulverisiert und mit Wasser gekocht, es entsteht eine Art Schleim,
Papeda. Das hat wirklich eine sehr gewöhnungsbedürftige Konsistenz und schmeckt
eigentlich nach nichts, ich werde es wohl noch ein paar Mal essen müssen um es
irgendwann zu mögen. Oder eben nicht...

Wenn ich mal Brot esse ist der neue Brotaufstrich meiner
Wahl und Butterersatz Erdnussbutter. Die gibt es hier wirklich überall und sie
wird von allen gegessen, was daran liegen könnte, dass Erdnüsse hier ja direkt
wachsen und andererseits viele Menschen laktoseintolerant sind, was Butter wie
wir sie kennen ja irgendwie disqualifiziert.

Dilarang merokok dan makan pinang di rumah ini.

- Es ist verboten, in diesem Haus zu rauchen oder Pinang zu essen.

Mittlerweile weiß ich auch warum. Pinang ist eine kleine,
bittere Frucht, die hier (auch schon von mir) als Kaugummiersatz gegessen wird.
Sie erfrischt auch tatsächlich, das Problem ist bloß, dass man sie mit einem
weißen Pulver kaut, wodurch roter Saft entsteht, den man aber nicht schlucken
darf. Deswegen spucken sämtliche Menschen literweise roten Pinangsaft fröhlich
in der Gegend umher, weswegen die Häuserecken immer aussehen, als ob dort jemand verblutete wäre...

 

Liebe Grüße, Johanna

 

Memo an mich: Auf die Frage "sudah makan" (Hast du schon gegessen) wird ein "Ja" nicht akzeptiert. Man kann immer nochmal oder wieder essen und nie satt genug sein!

 

Von meinem Tagesablauf

Autor: JohannaBodendie | Datum: 05 November 2014, 03:41 | 0 Kommentare

Der ist noch nicht wirklich routiniert und strukturiert
sondern eher ein bisschen nach dem Motto: „Ich stehe auf und dann gucke ich
mal, was der Tag so bringt…“, aber das ist ja auch nur vorrübergehend für die
nächste oder die nächsten zwei Wochen.

Erst mal ist es vielleicht gut zu wissen, dass ich wieder umgezogen bin zu
einer Papuafamilie, weil Ate Joy der Meinung war, dass ich, wenn ich bei ihr
wohnen bleibe, am Ende die philippinische Kultur besser kennen würde als die
Indonesische und außerdem keine Chance hätte, Indonesisch zu lernen. Da hat sie
schon Recht mit, deswegen wohne ich jetzt seit Sonntag bei der Familie von
Referent Joyce, die aus ihr, ihrem Mann Bapak Rudi, ihrer Tochter Hanna, Bapak
Rudis zwei Schwestern Mey und Ike und einer Frau mit Baby, deren Verbindung zur
Familie ich noch nicht verstanden habe, besteht. Zu meinem Glück sprechen Referent Joyce und
Hanna ein bisschen Englisch (und möchten es auch gerne sprechen, wenn sie schon
mal die Möglichkeit haben), deswegen bin ich noch nicht komplett auf meine
bisher noch sehr mickrigen Indonesischkenntnisse angewiesen.

Also wieder zu meinem Tag: Mein Wecker klingelt morgens um
5:30, aber eigentlich nur, damit ich nicht direkt aus dem Bett springen muss,
sondern noch eine halbe Stunde liegen bleiben kann. Früh aufzustehen scheint
mir nämlich an jedem Ort der Welt gleich schwer zu fallen, auch wenn es hier
morgens um sechs hell (dafür ist es aber auch abends um sechs wieder dunkel)
und teilweise sehr warm ist. Frühstücken tue ich dann (bisher) alleine,
irgendwie sind nämlich alle anderen verschwunden, wenn ich mein Zimmer
verlasse. Und dann warte ich. Manchmal bis viertel vor Sieben, manchmal bis
halb acht, bis ich abgeholt werde, um zur Grundschule zu fahren, in der ich
Englisch unterrichte (jedenfalls mehr oder weniger). Die Schule hier fängt um
sieben an und ich soll eigentlich (noch) nicht alleine öffentliche
Verkehrsmittel nutzen, weswegen ich auf meine Begleitung warten muss. Außerdem
kann ich den Kindern schlecht etwas beibringen, wenn ich kein indonesisch
verstehe und sie kein Englisch, weswegen ich immer einen Dolmetscher brauche,
die Lehrer aber auch kein Englisch sprechen und die Englischlehrerin letzte
Woche verschollen war. Auch deswegen also die Begleitung, für die ich doch sehr
sehr froh war, als ich plötzlich alleine mit einem Stift in der Hand vor 40
oder 50 Kindern stand, die jetzt von mir erwarteten, ihnen etwas beizubringen.
Ich habe wirklich das Gefühl, dass ganz wild darauf sind, etwas zu lernen, ich
hatte nur so meine Schwierigkeiten. Aber
wir haben die Zeit schon gemeinsam gemeistert und für mich war das auch nicht
schlecht, denn während die Kinder Farben und Zahlen auf Englisch lernten,
lernte ich sie auf Indonesisch. Diese Woche ist die Englischlehrerin jedenfalls
wieder da und jetzt darf ich sie begleiten, zugucken und ein bisschen helfen,
wofür ich auch keine Begleitung mehr brauche.

Meistens kann ich dann um neun oder zehn schon wieder gehen, aber nicht nach
Hause sondern ins Kirchenbüro hier in Sentani, kantor Sentani klasis. Hier
arbeitet auch meine aktuelle Gastmutter und ich mache die Arbeiten, die so
anfallen, damit ich nicht vor Langeweile zu Hause vor dem Laptop ende und
stundenlang DVDs gucke. Diese Arbeiten sind ganz unterschiedlich, entweder ich
putze oder ich schreibe Briefe ab oder packe sie in Umschläge oder ich besuche
Ate Joys English class, der auch hier im Haus stattfindet, damit die Schüler
jemandem zum Reden haben. Also es ist noch nicht wirklich anspruchsvoll, aber
immerhin habe ich etwas zu tun. Und das Beste hier ist, dass es Internet gibt,
ich bin schon völlig auf Entzug. Wobei es andererseits auch mal ganz angenehm
ist, einfach nicht 24/7 erreichbar sein zu müssen J

Zu Hause kann ich mich dann manchmal aufraffen Indonesisch zu lernen, aber die
Gefahr, wieder eine DVD zu gucken, ist relativ hoch. Abends wird auch am anderen
Ende der Welt zu Abend gegessen und dann gemeinsam ferngesehen…

Viele Grüße, eure Johanna

Memo an mich selbst: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das
so früh nach Beendigung meiner Schulzeit sagen würde, aber: Ich hatte wirklich
hervorragende Bedingungen und Möglichkeiten zu lernen.

 

Von der Sprachbarriere

Autor: JohannaBodendie | Datum: 31 Oktober 2014, 02:46 | 0 Kommentare

Natürlich spreche ich nach zwei Wochen in Indonesien die
Sprache noch nicht, obwohl ich das Gefühl habe, immer öfter zu verstehen,
worüber gesprochen wird. Dass ich aber wenn überhaupt nur grob das Thema erfasse,
über das gesprochen wird, nicht aber die Details, führt immer wieder zu
interessanten Situationen und eine ganz besonders interessante Situation war
gestern.

Ich war alleine zu Hause, saß in meinem Zimmer und habe Musik
gehört, als plötzlich irgendwelche Männer „selamat pagi“ (Guten Morgen) durch
mein Fenster brüllten (Das Haus hat nämlich keine Klingel…). Es hat erst mal
schon einen Moment gedauert, bis ich verstanden habe, dass sie mit mir sprechen,
da ich mich eigentlich von indonesischen Worten noch nicht angesprochen fühle.
Jedenfalls habe ich ihnen dann irgendwann die Tür aufgemacht und dort standen
vier Männer, die wild auf mich einredeten, obwohl ich schon beim Türöffnen
versucht hatte, ihnen klar zu machen, dass ich noch kein Indonesisch spreche
(das kann ich nämlich schon sagen, ist ja nicht ganz unwichtig J ). Irgendwann habe ich
dann verstanden, dass sie von Wasser reden (air, auch kein ganz unwichtiges
Wort in einem tropischen Land) und die Zahl „Drei“ nannten. Deswegen bin ich
dann davon ausgegangen, dass sie gerne etwas trinken möchten, denn es kommt
schon mal vor, dass Leute klopfen und nach Wasser fragen. Ich hatte zwar auch
verstanden, dass sie irgendwas mit „Monat“ sagten, konnte das aber in meinem
Kopf nicht mit „Wasser“ und „drei“ verknüpfen und ignorierte es deswegen
großzügig. Also brachte ich den vier Männern drei Wasser, sie sahen mich
verwirrt an, das war wohl doch nicht das, was sie von mir wollten.

Nachdem sie weitere zehn Minuten auf mich eingeredet hatten,
habe ich dann auch irgendwann begriffen, dass sie kein Wasser von mir wollten, sondern
mit mitteilten, dass sie das Wasser abstellten (zu dem Zeitpunkt dachte ich
noch, die stellen das Wasser für drei Monate ab und habe mich gefragt, wie sie
sich das vorstellen, fragen konnte ich sie ja aber leider auch nicht). Es kam
nämlich schon öfter mal vor, dass wir ein paar Tage kein Wasser (das ist
genauso ein Problem wie der Strom, weswegen wir jetzt schon ein paar Mal gezwungen
waren, ein „Candlelightdinner“ machen) hatten, das ging dann meist, weil man
immer etwas in Bottichen „speichert“. Aber drei Monate?!

Naja, glücklicherweise stand unser Nachbar daneben, der dann
nachher Ate Joy erzählen konnte, was es denn damit auf sich hatte. Und tatsächlich
haben die Männer versucht mir zu erzählen, dass sie das Wasser abgestellt haben
(und da waren sie wirklich nicht zimperlich. Ich war gerade dabei, meine Wäsche
zu waschen (in der Waschmaschine), als sie einfach ein Stück aus der Leitung
gerissen haben. Da musste ich wohl oder übel mit der Hand weiterwaschen…), weil
es seit drei Monaten nicht bezahlt worden ist (auch wenn das Haus erst seit
drei Wochen bewohnt ist).

Jetzt ist alles geklärt und das Wasser ist auch wieder da.
Nur ich habe mich wirklich gefragt, sie gedacht haben, dass ich sie mit dem
Trinkwasser bestechen wollte…

Memo an mich: Nicht immer ist alles, wie es zu sein scheint.
Aber mit einem freundlichen Lächeln kommt man meist glimpflich davon.

 

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