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Vom Warten

Autor: JohannaBodendie | Datum: 30 Oktober 2014, 14:59 | 0 Kommentare

Informationen
über Informationen

Doch noch nicht aus Manokwari…
Seit einer Woche bin ich nun hier in Jayapura und in dieser Zeit auch schon ein
Mal umgezogen, wann es nun tatsächlich weitergeht zu meiner eigentlichen
Arbeitsstelle in Manokwari, das nochmal würde ich sagen zwei Flugstunden von
hier entfernt ist (Distanzen sind hier in Indonesien schon etwas anderes als in
Deutschland…), ist aber noch nicht klar. An Informationen dazu war von einem Tag bis zu
zwei Monaten schon ungefähr alles dabei und es ändert sich ungefähr täglich,
manchmal sogar mehrmals am Tag. Das zehrt gerade ein bisschen an meinen Nerven
und ich würde auch gerne bald meine Arbeitsstelle und die Menschen dort kennen
lernen. Vor allem auch, weil an
meinem zweiten Tag hier plötzlich mein
zukünftiger Gastvater (ich werde jetzt wohl doch in einer Gastfamilie wohnen,
nicht in einer WG oder bei einer Studentin, was auch mal die Information war)
vor der Tür stand, um mich mitzunehmen. Vielleicht liegt es auch daran, dass
sich die Honeymoonphase bei mir noch nicht so recht einstellen will.

Was ich hier tue

Eigentlich trifft es die Beschreibung „Warten“ ziemlich gut.
Montag bis Donnerstag habe ich damit verbracht, im Büro der Kirche (kantor
sinode) hier (GKI TP) zu sitzen und darauf
zu warten, zum Immigrationsbüro gehen zu dürfen. Und da saß ich dann nicht eine
Stunde oder zwei, sondern auch gerne mal
sechs, um nach diesen sechs Stunden dann wieder ohne Ergebnis nach Hause zu
fahren. Da ich am ersten Tag nicht darauf eingestellt war, war es nicht so
leicht auszuhalten, aber die anderen Tage waren eigentlich nicht so schlimm, da
ich auch die Mitarbeiter immer besser kennen lerne und mich gut mit ihnen
verstehe. Außerdem bin ich jetzt schon froh für mein e-book. Beim Immigrationsbüro
war ich zwar immer noch nicht, aber die werden dann wohl bei mir anrufen, wenn
ich mich vorstellen darf.

Dass ich immer so lange warten muss, ist nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches.
Uhren ticken hier ganz offensichtlich anders. Da muss man immer auf alles
eingestellt sein. So kann es sein, dass man eigentlich um neun abgeholt werden
soll und dann plötzlich doch schon um halb neun abgeholt wird. Oder dass man
Leute um zehn Uhr einlädt und die dann entweder um neun oder um elf vor der Tür
stehen. An diese „Gummizeit“ (jam karet) werde ich mich wohl noch ein bisschen
gewöhnen müssen, aber wenn ich diese Woche schon etwas gelernt habe, dann ist
es Geduld!

Vom Warten abgesehen war ich letzten Sonntag schon in zwei
Gottesdiensten, die seeehr lang sind. Einer davon war ein Jugendgottesdienst
auf einer Insel im See hier von Jayapura (Sentani), zu dem wir mit der ganzen
Jugendgruppe einem winzigen Boot gefahren sind. Falls jemand Angst gehabt
hätte, man könnte kentern, wurde das dadurch überwunden, dass den ganzen Weg
aus voller Kehle gesungen wurde.

Einmal war ich schon auf dem Markt und meine größte Aufmerksamkeit dort erregte
ein Käfig mit Küken. Die waren nämlich nicht gelb, wie Küken das ja
normalerweise sind, sondern schillerten in sämtlichen Farben. Ich will ehrlich
gesagt gar nicht wissen, wie man Küken färbt und kann mir schwer vorstellen,
wie die Küken dann als Hühner aussehen….

Ich war auch schon zusammen mit Ate Joy (philippinische Co Workerin der UEM,
Englischlehrerin), bei der ich jetzt hier wohne, schwimmen und zwar in einem
Pool, von dem aus man den Hafen von Jayapura sehen kann und das war kurz vorm
Sonnenuntergang (der hier sehr schnell geht) eine beeindruckende Kulisse.

Mit ihr, Wipi (einer Mitarbeiterin der GKI TP) und Jasmin, einer deutschen Praktikantin
in einem Asrama (so eine Art Wohnheim mit Schule für Mädchen), in dem ich die
ersten drei Tage gewohnt habe bin ich auch gestern zur Grenze nach Papua Neu
Guinea (PNG) gefahren und das hat sich allein schon wegen der wunderschönen
Kulisse während des Weges gelohnt, auch wenn wir die Grenze nicht überqueren
durften. Der Grund für unsere Reise war es auch eigentlich, aus PNG kommende
Gäste der GKI abzuholen.

Wir vier wurden dann abends noch von Ate Joy philippinisch bekocht, haben
Schokoladenfondue gemacht und DVDs geguckt. Das ist jetzt noch nicht unbedingt
typisch indonesisch sondern ehrlich gesagt noch sehr international, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich
langsam beginne, mich hier einzuleben und besser zu fühlen.



Davon abgesehen lerne ich gerade, wie man anstelle von
Klopapier die Wasserkelle benutzt und wie man mit ebendieser „duscht“ (man
stellt sich nämlich nicht einfach unter einen Duschkopf und lässt Wasser auf
sich rieseln. Man füllt Wasser (kalt!!) aus dem Hahn auf Hüfthohe in einen
Kübel und kippt sich das dann mit der Wasserkelle über den Kopf. Dass man dann
immer ein bisschen Wasser „gespeichert“ hat, ist aber wirklich gut, da neben
dem Strom auch öfter mal das Wasser ausfällt.). Waschen muss ich hier
luxuriöserweise noch nicht per Hand, aber ich wundere mich darüber, dass man
vom Bügeleisen Stromschläge bekommt…



Vom Urwald

Achja, an diejenigen, die davon ausgehen, dass ich hier im
Urwald gelandet bin; bin ich definitiv nicht. Zwar ist Jayapura von Bergen und
Bäumen umgeben und die Kulisse ist unglaublich anzusehen. Es wäre wohl noch
schöner, wenn man nicht die Berge aufreißen würde um, wenn ich das richtig
verstanden habe, nach Edelmetallen zu suchen, aber eigentlich kann man
niemandem einem Vorwurf machen, wenn er am Wohlstand der Welt teilhaben will.
Die Menschen hier laufen jedenfalls nicht mit Penisköcher über die Straße und
sind meist normal, sonntags für die Kirche sogar außerordentlich ordentlich
angezogen. Dann gibt es hier ein ausgeklügeltes System der öffentlichen Verkehrsmittel,
das aus Bussen (sogenannten „taksi“, auch wenn es wirklich keine Taxen sind) besteht, die in meinen Augen alle
gleich aussehen, in Wirklichkeit aber festgelegte Routen haben, nur keine
Haltestellen. Man kann also zu- und aussteigen, wann immer man möchte. Mit
diesen Verkehrsmitteln kommt man eigentlich gut überall hin, nur manchmal
gleicht der Verkehr auf den Straßen eher dem amerikanischer Großstädte
(jedenfalls in meiner Vorstellung, ich bin noch nie in Amerika gewesen), auf
jeden Fall, wenn man sich die Menge der Fahrzeuge anguckt. Hauptverkehrsmittel
hier ist das Moped, das sogar in der Hälfte der Fälle mit Helm gefahren wird, und
darauf passt auch problemlos eine fünfköpfige Familie (genauso wie in einem Bus
für 10 Leute gut 17 Menschen Platz finden). Und diese Mopeds passen wohl auch,
auf einer jeweils einspurigen Straße,
gefühlt zu fünf neben die „Taksi“. Dementsprechend ist es sehr voll und
geht nur relativ langsam voran.
Zugegeben, die Straßen sind auch nicht immer die besten, aber sie sind
befahrbar.

Noch ein Indiz für alle Australienfans, dass dies hier nicht der Urwald ist: In
den Shoppingmalls und Supermärkten (ja, die gibt es hier auch), kann man
verschiedenste Sorten von Tim Tams kaufen, die sind auch gar nicht so teuer,
wobei Papua was Lebenshaltungskosten angeht im Vergleich zum Rest von
Indonesien wohl schon relativ teuer ist, da das Meiste eingeflogen werden
muss.


Bis bald, eure Johanna

Memo an mich selbst: Immer Geld, Kamera, ein Buch und was
man sonst braucht dabei haben, man weiß nie, wie lange die Reise dauert, wo sie
hingeht und wo sie endet.

 

Von Sicherheit und vom Weißsein

Autor: JohannaBodendie | Datum: 25 Oktober 2014, 15:01 | 2 Kommentare

Über diese
beiden Themen möchte ich gerne in einem Eintrag sprechen, da sie offensichtlich
untrennbar mit einander verknüpft sind. Erst mal zum Weißsein. Viele Menschen
hier (nicht nur Kinder), scheinen fasziniert zu sein von Menschen mit weißer
Hautfarbe und nicht schwarzen Haaren. Jedenfalls kann es schon passieren, dass
Autos einem hinterherhupen, sich auf dem Markt alle auf einen stürzen, um etwas
zu verkaufen oder dass man von fremden Leuten gefragt wird, ob man zusammen ein
Foto machen kann. Jasmin, eine andere Deutsche, wurde zum Beispiel von einem
Grenzsoldaten um ein Foto gebeten. Damit kann man ja noch irgendwie umgehen und
ich muss zugeben, dass ich manchmal genauso fasziniert vor irgendwelchen Dingen
stehe, die für Indonesier vollkommen normal sind (zum Beispiel Geckos an der
Wand. Als ich das erste Mal einen Gecko gesehen habe, hab ich mich kaum mehr
eingekriegt, nur um dann ein paar Stunden später zu merken, dass die hier
ÜBERALL rumlaufen).

Das Problem ist nur, dass das auch meine Sicherheit beeinflusst. Ich darf zum
Beispiel im Moment nicht alleine und abends nicht mal in Begleitung öffentliche
Verkehrsmittel benutzen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich angepöbelt oder
für reich gehalten werde relativ groß ist.
Diese Sicherheit ist auch ein Grund dafür, dass ich nicht einfach nach
Manokwari fahren darf. Hier in Westpapua werden „westliche Ausländer“ wegen der
Freiheitsbewegungen in Papua sehr sehr streng kontrolliert. Wenn ich also mich
also ohne Arbeitsgenehmigung in Manokwari aufhalte, könnte ich, so wurde mir
das zumindest gesagt, verhaftet werden. Und das gilt sogar, wenn ich nicht
arbeite, weil ich mit einem Arbeitsvisum nach Indonesien eingereist bin und
deshalb auch nicht zum „Urlaub machen“ oder Eingewöhnen nach Manokwari fahren
darf. Es muss quasi jeder meiner Schritte von meiner Kontaktperson Elvira, die
im kantor sinode arbeitet, von Ate Joy oder gleich vom Kirchenchef persönlich
genehmigt werden. Ich darf nirgendwo alleine hingehen, deswegen bin ich die
ganze Zeit auf irgendjemanden angewiesen. Ich glaube schon, auch wenn ich das
im Moment noch nicht wirklich einschätzen kann, dass diese Vorsicht durchaus
berechtigt ist. Aber es ist gerade noch nicht so einfach, damit umzugehen, da
ich daran gewöhnt bin, meine Freiheit zu haben und selbst zu entscheiden, wann
ich wie wohin komme und was ich dort mache. Andererseits bin ich so nicht
alleine und im Moment bin ich auch wirklich dankbar für jede Begleitung, da
ich, wenn es die nicht gebe, das Haus den ganzen Tag nicht verlassen könnte, da
ich mich zugegebenermaßen auch noch nicht alleine zurechtfinden würde, einfach
weil ich mich nicht auskenne.

Bis bald, eure Johanna

Memo an mich
selbst: Freiheit ist ein sehr kostbares Gut. Außerdem ist man fast überall auf
der Welt fremd und anders, in „Ausländer“ eben. Damit muss man umzugehen
lernen, will man die Welt entdecken.

 

About a fine city

Autor: JohannaBodendie | Datum: 18 Oktober 2014, 14:01 | 1 Kommentare



1.) Ich habe heute leider kein Visum für Euch

2.) Kontraste



1.)

Am 12.10 um halb Ein Uhr mittags ging es endlich, mit sieben Wochen
Verspätung, auch für uns
Indonesienfreiwillige (Anja, Ida, Jakob, Jannes, Wiebke und mich) los ins
Abenteuer, erst einmal ins faszinierende Singapur. Da wir unsere Sitzplätze
nicht gemeinsam hatten buchen können, saßen wir sechs nun im ganzen Flugzeug
verteilt (und das hatte zwei Etagen!), aber die 12 Stunden Flug konnte man gut
für die eine oder andere Gesprächsrunde vorm Notausgang nutzen. Nach ein paar Turbulenzen kamen wir dann ein
bisschen müde aber voller Vorfreude in um sieben Uhr morgens Singapur an, wo
wir auf dem Weg in unser Hostel in den Genuss des unglaublich gut organisierten
U-Bahnsystems Singapurs kamen.

Wir hatten uns überlegt, den Besuch der indonesischen Botschaft, der der Grund
unseres Aufenthaltes in Singapur war, weil dort unsere Visa in die Pässe
gedruckt werden würden, so schnell wie möglich zu erledigen. Also machten wir uns, schon ein bisschen
gezeichnet vom Schlafentzug während der Reise, nach einem kurzen Aufenthalt im
Hostel auf den Weg zur Botschaft, nur um dann dort festzustellen, dass gerade
Mittagspause war und wir eine Stunde warten mussten. Das erklärte auch, warum
außer uns niemand bei gefühlten 38°C durch die Mittagshitze latschte.
Jedenfalls entschieden wir uns zu warten und hatten größte Mühe, dabei nicht
einzuschlafen. Irgendwann war dann auch die Stunde überstanden, ohne dass
irgendjemand ins Koma gefallen wäre und wir durften die heiligen Hallen
betreten (nur bloß kein Foto machen, das ist nämlich verboten). Leider werden
Visumsanträge nur vormittags angenommen, so hatten wir umsonst gewartet. Naja,
wenigstens war das ein Grund, nicht schlafen zu gehen und nach sieben Wochen
Warten konnte uns das jetzt auch nicht mehr die Laune verderben.



In Singapur ist übrigens nicht nur das Fotografieren
öffentlicher Gebäude verboten, sondern auch Kaugummi kauen, in öffentlichen
Verkehrsmitteln essen oder trinken, in der Öffentlichkeit Alkohol trinken,
Durian essen, Affen in die Augen gucken, Affen füttern und vieles vieles mehr.
Damit man abwägen kann, ob es sich lohnt, etwas Verbotenes zu tun, steht die zu
bezahlende Strafe („Fine“) immer direkt unter dem Verbotsschild.



2.)

Singapur ist die kontrastreichste Stadt, die ich je gesehen habe. Im Kontrast
zu Bettwanzen und Kakerlaken in unserem Zimmer steht ein Boden, so sauber, dass
man von ihm essen könnte in den U-Bahnstationen. Im Kontrast zu einer Luft, die
vor Hitze und Luftfeuchtigkeit eher einer Wand gleicht steht eine Eiseskälte,
die einen in den Supermärkten fast am Boden festfrieren lässt, moderner Technik
sei Dank. Im Kontrast zu einem in „Little India“ (wo unser Hostel lag) in der
Luft liegenden Geruch, der sämtliche Gewürze miteinander zu vereinen scheint,
steht ein tropischer, fast modriger Geruch in anderen Teilen der Stadt. Im
Kontrast zu Gewusel in Chinatown und Little India steht nahezu eine Sterilität und
akribische Ordnung im Bankenviertel.

Auch meine beiden „Highlights“ unseres Singapuraufenthaltes stehen in einem
ziemlichen Kontrast zueinander. Am Mittwoch besuchten wir einen „originalen“
Regenwald in der Mitte Singapurs, das Mc Richies Reservoir. Hier konnten wir aus
nächster Nähe Affen beim Klettern und Flughörnchen beim Fliegen zuschauen. Außerdem
führte der Weg über eine Hängebrücke, auf der man beinahe in den Baumwipfeln
stand. Begegnet sind wir auf dem 13 Kilometer langen Weg fast niemandem, es war
zugegebenermaßen auch ziemlich anstrengend, bei singapurischen Temperaturen
eine solche Strecke hinter sich zu bringen. Bezahlt gemacht hat es sich aber
allemal.

Genauso gelohnt hat sich die Fahrt mit dem Singapore Flyer (Singapurs
Riesenrad) bei Nacht, die wir gleich nach der zufällig am Marina Bay Sands
entdeckten, sehr beeindruckenden Licht- und Lasershow machten. Trotz meiner Höhenangst
konnte ich dieses Erlebnis sehr genießen, danke Anja, dass du mich gezwungen
hast mitzukommen.



Letztendlich ist Singapur viel zu groß, um es an vier Tagen
zu erfassen und manchmal hatte ich nahezu das Gefühl einer Reizüberflutung, da
diese an jeder Straßenecke wechselten und ich glaube ich diese Stadt auch nach
ein paar Tagen noch nicht wirklich „verarbeitet“ habe. Jetzt freue ich mich sehr
auf das, was ich in Papua erleben werde.



Bis bald, wahrscheinlich aus Manokwari



Johanna



Memo an mich selbst: In Singapur gibt es keine Inlandflüge,
da Singapur eine einzige Stadt ist. Auch wenn sie vielfältig ist wie wenige
Länder es sind und „den Westen“ und „Asien“, Alt und Neu, Tradition und Moderne
miteinander vereint.

 

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